Tomasz Novak wohnte seit sechs Jahren im zweiten Stock eines ruhigen Hauses in Kassel. Er grüßte alle Nachbarn, trennte seinen Müll vorbildlich und hielt sich an die Ruhezeiten. Umso überraschter war er, als er eines Morgens einen Zettel an seiner Wohnungstür fand.
„Liebe Nachbarn, es wäre sehr nett, wenn Sie nicht mitten in der Nacht staubsaugen würden! Einige Menschen müssen früh aufstehen. Danke!“
Tomasz las den Zettel zweimal. Staubsaugen? Mitten in der Nacht? Er schlief jede Nacht ab elf Uhr wie ein Stein. Der Zettel war sicher für jemand anderen gedacht. Er warf ihn weg und vergaß die Sache.
Eine Woche später hing ein neuer Zettel an seiner Tür, diesmal mit drei Ausrufezeichen. Tomasz wurde wütend. Er hatte einen Verdacht: Über ihm war vor Kurzem ein Student eingezogen, der oft spät nach Hause kam. Bestimmt putzte der junge Mann nachts und die Nachbarn dachten jetzt, es wäre er, Tomasz!
Am Abend klingelte er im dritten Stock. Der Student, ein freundlicher junger Mann namens Tim, hörte sich die Geschichte an und schüttelte den Kopf. „Ich habe gar keinen Staubsauger“, sagte er etwas verlegen. „Ehrlich gesagt, putze ich ziemlich selten.“
Jetzt war Tomasz ratlos. Er beschloss, der Sache auf den Grund zu gehen. In der Nacht stellte er sich den Wecker auf drei Uhr, setzte sich mit einer Tasse Tee in die Küche und wartete.
Um genau drei Uhr zehn hörte er es: ein leises Summen, dann ein Brummen, das immer lauter wurde. Das Geräusch kam nicht von oben. Es kam aus seinem eigenen Flur.
Dort fuhr, mit blinkenden Lichtern, der kleine Saugroboter, den ihm sein Sohn zum Geburtstag geschenkt hatte. Und plötzlich erinnerte sich Tomasz: Sein Sohn hatte das Gerät eingerichtet und gesagt: „Ich habe ihn so programmiert, dass er arbeitet, wenn er dich nicht stört, Papa.“
Am nächsten Morgen hing ein neuer Zettel im Treppenhaus. Diesmal war er von Tomasz – zusammen mit einer Schachtel Pralinen.