Vor genau einem Jahr bin ich mit zwei Koffern und viel Hoffnung in Leipzig angekommen. Heute möchte ich euch erzählen, was ich in meinem ersten Jahr in Deutschland gelernt habe – das Gute und das weniger Gute.
Am Anfang war alles kompliziert. Ohne Anmeldung keine Steuer-ID, ohne Steuer-ID kein richtiges Gehalt, und für die Anmeldung brauchte ich eine Bestätigung von meinem Vermieter. Einen Termin beim Bürgeramt habe ich erst nach drei Wochen bekommen, obwohl ich jeden Morgen um sieben Uhr auf die Website geschaut habe. Mein Tipp: Fragt auch in anderen Stadtteilen nach, denn dort gibt es manchmal schneller freie Termine.
Die größte Überraschung war für mich die Ruhe. In Pune hört man ständig Hupen, Musik und Stimmen. Hier war es am ersten Sonntag so still, dass ich zuerst an einen Feiertag gedacht habe. Inzwischen genieße ich diese Ruhe, besonders wenn ich am Wochenende am See spazieren gehe.
Schwierig war dagegen der Winter. Im Dezember wird es schon um halb fünf dunkel, und ich habe meine Familie sehr vermisst. Geholfen haben mir zwei Dinge: ein Deutschkurs am Abend, in dem ich Leute aus aller Welt kennengelernt habe, und meine Nachbarin Frau Hahn. Sie hat mir gezeigt, wie man Plätzchen backt, und ich habe ihr dafür mein Rezept für Dal verraten.
Mit der deutschen Sprache kämpfe ich immer noch. Im Büro sprechen alle Englisch mit mir, was zwar bequem ist, aber nicht hilft. Deshalb spreche ich seit zwei Monaten mittags in der Kantine nur Deutsch. Meine Kollegen finden das super und korrigieren mich geduldig – meistens jedenfalls.
Würde ich mich wieder für Deutschland entscheiden? Ja, auf jeden Fall. Aber ich würde früher mit Deutsch anfangen und mir sofort eine wärmere Jacke kaufen. Was waren eure größten Herausforderungen im ersten Jahr? Schreibt es mir in die Kommentare!
Eure Ananya