Anu Thomas, 31, kommt aus Kerala in Südindien und arbeitet seit zwei Jahren als Pflegefachfrau in einem Krankenhaus in Nürnberg. Wir haben mit ihr über ihren Weg nach Deutschland gesprochen.
Frau Thomas, warum haben Sie sich für Deutschland entschieden?
In Indien habe ich fünf Jahre lang als Krankenschwester gearbeitet. Ich wollte mich weiterentwickeln und gleichzeitig meine Familie finanziell unterstützen. Eine Kollegin war schon in Deutschland und hat sehr positiv erzählt. Außerdem werden hier dringend Pflegekräfte gesucht.
Wie lange hat es gedauert, bis Sie hier arbeiten durften?
Ungefähr zwei Jahre. Zuerst habe ich in Kochi Deutsch gelernt, bis zum Niveau B2. Das war die härteste Zeit, weil ich nebenbei noch gearbeitet habe. Dann musste meine Ausbildung anerkannt werden. In Deutschland habe ich zuerst als Pflegehelferin gearbeitet und eine Kenntnisprüfung gemacht. Seit ich sie bestanden habe, bin ich offiziell Pflegefachfrau.
Was ist im Arbeitsalltag anders als in Indien?
In Indien helfen die Familien sehr viel mit, wenn jemand im Krankenhaus liegt. Sie waschen den Patienten, bringen Essen und bleiben oft über Nacht. Hier übernehmen wir das alles selbst. Am Anfang war das ungewohnt. Dafür arbeiten wir hier sehr selbstständig, und die Dokumentation ist viel genauer.
Und die Sprache? B2 klingt doch gut.
Das dachte ich auch! Aber dann kam der erste Patient aus einem Dorf in Oberfranken, und ich habe kein Wort verstanden. (lacht) Inzwischen kenne ich die wichtigsten Ausdrücke. Schwierig ist es manchmal noch am Telefon, wenn ein Arzt sehr schnell spricht.
Wie gehen Sie mit dem Schichtdienst um?
Die Nachtschichten sind anstrengend, das gebe ich zu. Aber mein Team ist toll. Wir tauschen Schichten, wenn jemand ein Problem hat, und an Onam, unserem Erntefest, haben meine Kollegen sogar mit mir gefeiert.
Was raten Sie Pflegekräften, die nach Deutschland kommen möchten?
Nehmt die Sprache ernst und lernt mehr als nur für die Prüfung. Und seid geduldig mit euch selbst. Das erste Jahr ist schwer, aber es lohnt sich.