Als ich vor drei Jahren zum ersten Mal von zu Hause gearbeitet habe, war ich begeistert. Kein Stau, kein volles Großraumbüro, keine Kollegen, die laut telefonieren. Stattdessen Kaffee aus meiner eigenen Maschine und Mittagessen am Küchentisch. Heute sehe ich das Thema etwas differenzierter.
Natürlich hat das Homeoffice große Vorteile. Ich spare jeden Tag fast zwei Stunden Fahrzeit – Zeit, die ich jetzt mit meinen Kindern verbringe oder zum Joggen nutze. Ich kann mich besser konzentrieren, weil mich niemand unterbricht. Und wenn der Handwerker zwischen acht und zwölf Uhr kommen will, muss ich mir nicht extra freinehmen. Für Eltern, für Menschen mit langen Arbeitswegen oder mit einer Behinderung ist das ein echter Gewinn.
Aber es gibt auch eine Kehrseite. Mit der Zeit habe ich gemerkt, dass mir etwas fehlt: die kleinen Gespräche in der Kaffeeküche, das gemeinsame Lachen, die schnelle Frage über den Schreibtisch hinweg. In Videokonferenzen redet man über Aufgaben, aber selten darüber, wie es einem wirklich geht. Neue Kolleginnen und Kollegen lernt man kaum kennen. Außerdem verschwimmt die Grenze zwischen Arbeit und Freizeit. Wer im Wohnzimmer arbeitet, liest abends um zehn „nur noch schnell“ seine E-Mails.
Auch für Berufsanfänger halte ich reines Homeoffice für problematisch. Wie soll man lernen, wie ein Team funktioniert, wenn man es nur als kleine Kacheln auf dem Bildschirm sieht?
Meine Lösung ist deshalb ein Kompromiss: zwei Tage im Büro, drei Tage zu Hause. Im Büro treffe ich mich mit meinem Team, wir planen gemeinsam und gehen zusammen essen. Zu Hause erledige ich die Aufgaben, für die ich Ruhe brauche. Wichtig ist dabei, dass man klare Regeln hat – zum Beispiel feste Zeiten, in denen man erreichbar ist, und einen echten Feierabend.
Das Homeoffice ist also weder Segen noch Fluch. Es ist ein Werkzeug. Und wie jedes Werkzeug ist es nur so gut wie die Art, wie wir es benutzen.
Jana Klein, Redakteurin