Münster/Freiburg – Wer morgens durch Münster fährt, sieht vor allem eines: Fahrräder. In der Stadt in Nordrhein-Westfalen gibt es mehr Räder als Einwohner, und viele Menschen fahren das ganze Jahr über mit dem Rad zur Arbeit, zur Uni oder zum Einkaufen – auch bei Regen. Münster gilt deshalb schon lange als heimliche Fahrradhauptstadt Deutschlands.
Doch andere Städte holen auf. In Freiburg, Karlsruhe und Leipzig wurden in den letzten Jahren viele neue Radwege gebaut. Besonders beliebt sind sogenannte Fahrradstraßen: Dort haben Radfahrende Vorrang, und Autos dürfen höchstens dreißig Kilometer pro Stunde fahren. Als Vorbild nennen viele Planer Kopenhagen, wo breite und sichere Radwege seit Jahrzehnten selbstverständlich sind.
„Seit es die neue Fahrradstraße gibt, fahre ich jeden Tag mit dem Rad ins Büro“, erzählt Emre Kaya, der in Freiburg als Ingenieur arbeitet. „Ich bin schneller als mit dem Bus, spare Geld und brauche kein Fitnessstudio mehr.“ Auch Familien steigen um: Immer öfter sieht man Lastenräder, mit denen Eltern ihre Kinder in die Kita bringen.
Allerdings sind nicht alle begeistert. Wenn Radwege gebaut werden, fallen oft Parkplätze weg. Einige Geschäftsleute befürchten deshalb, dass weniger Kunden kommen. „Meine älteren Kundinnen kommen mit dem Auto, nicht mit dem Fahrrad“, sagt Petra Lange, die in der Innenstadt ein Schuhgeschäft hat. Studien aus mehreren Städten zeigen jedoch, dass Radfahrer zwar weniger pro Einkauf ausgeben, dafür aber häufiger einkaufen.
Auch das Thema Sicherheit sorgt für Diskussionen. Viele Radwege sind schmal, enden plötzlich oder führen direkt neben parkenden Autos vorbei. Fahrradverbände fordern deshalb mehr getrennte Wege und eine bessere Planung an Kreuzungen.
Klar ist: Der Umbau der Städte kostet Zeit und Geld. Doch die Richtung scheint festzustehen. Immer mehr Menschen wollen sich gesund, günstig und umweltfreundlich bewegen – und dafür brauchen sie Platz.