Neulich habe ich in meiner Bildschirmzeit-App gesehen, dass ich mein Handy im Durchschnitt fünf Stunden am Tag benutze. Fünf Stunden! Das sind mehr als zwei volle Monate im Jahr. Da habe ich beschlossen: Eine Woche lang lasse ich das Smartphone in der Schublade.
Ganz ohne Technik ging es natürlich nicht. Für Notfälle habe ich mir ein altes Tastenhandy von meinem Onkel geliehen, mit dem man nur telefonieren und SMS schreiben kann. Meinen Freunden und meiner Chefin habe ich vorher Bescheid gesagt, damit sich niemand Sorgen macht.
Die ersten zwei Tage waren hart. Ständig griff meine Hand in die leere Hosentasche. An der Bushaltestelle wusste ich nicht, wohin mit meinen Augen. Und morgens hat mich zum ersten Mal seit Jahren wieder ein echter Wecker geweckt – ein schreckliches Geräusch. Am zweiten Abend hatte ich richtig schlechte Laune, weil ich das Gefühl hatte, etwas Wichtiges zu verpassen.
Ab dem dritten Tag wurde es besser. Ich habe in der S-Bahn ein Buch gelesen, und zwar ein ganzes in drei Tagen. Ich habe mich mit Fremden unterhalten, zum Beispiel mit einer älteren Dame, die mir von ihrer Jugend in Hamburg erzählt hat. Ohne Navigations-App habe ich mich zweimal verlaufen, aber dabei auch ein tolles kleines Café entdeckt. Und ich habe deutlich besser geschlafen, weil ich abends nicht mehr im Bett durch Videos gescrollt habe.
Natürlich gab es auch Nachteile. Mein Bahnticket war nur auf dem Handy, deshalb musste ich am Automaten ein Papierticket kaufen. Und meine Mutter in São Paulo war gar nicht begeistert, weil wir eine Woche nicht per Video telefonieren konnten.
Was habe ich gelernt? Ich will nicht ohne Smartphone leben, denn es ist einfach zu praktisch. Aber ich habe jetzt ein paar feste Regeln: kein Handy beim Essen, keins im Schlafzimmer und keine Benachrichtigungen von sozialen Netzwerken. Meine Bildschirmzeit liegt jetzt bei ungefähr zwei Stunden. Probiert es doch auch einmal aus – vielleicht erst nur ein Wochenende!
Euer Lucas