Kolumne „Neu hier“ von Chidi Okeke
Bevor ich aus Lagos nach Köln gezogen bin, hat mich ein Freund gewarnt: „Die Deutschen lachen nie. Und wenn doch, dann nur, weil es im Terminkalender steht.“ Nach zwei Jahren kann ich sagen: Das stimmt nicht. Aber deutscher Humor ist anders – und man braucht eine Weile, um ihn zu erkennen.
Mein erster Kulturschock hatte mit Humor gar nichts zu tun, sondern mit Ehrlichkeit. In meiner ersten Woche fragte ich eine Kollegin, wie ihr meine Präsentation gefallen hatte. Sie sagte: „Die Folien waren zu voll, und der Schluss war schwach.“ Ich war schockiert und habe den ganzen Abend darüber nachgedacht. Am nächsten Tag hat sie mir dann ganz freundlich Tipps gegeben und mich zum Mittagessen eingeladen. Erst später habe ich verstanden: Sie war nicht unhöflich. Für sie war Kritik ein Zeichen von Respekt.
Der Humor kam langsamer. Deutsche Witze sind oft trocken. Wenn es im Juli nur zwölf Grad sind und regnet, sagt mein Nachbar: „Na, endlich mal wieder ein schöner Sommer.“ Dabei verzieht er keine Miene. Am Anfang habe ich ihm ernsthaft widersprochen, bis seine Frau laut gelacht hat. Ironie ist hier überall – man muss nur genau hinhören.
Außerdem lachen viele Deutsche gern über sich selbst: über ihre Liebe zu Regeln, über Mülltrennung, über die Bahn. Ein Kollege hat mir einmal gesagt: „Die Bahn ist der Grund, warum wir so pünktlich sind. Wir müssen ja immer früher losfahren.“
Und dann ist da noch der Karneval. In Köln verkleiden sich jedes Jahr Hunderttausende Menschen, singen auf der Straße und tanzen mit Fremden. Als ich das zum ersten Mal erlebt habe, dachte ich: Wo waren diese Leute das restliche Jahr?
Mein Tipp für alle Neuankömmlinge: Nehmt direkte Kritik nicht persönlich, und wenn jemand etwas völlig Absurdes mit ernstem Gesicht sagt, lacht einfach mal. Meistens liegt ihr damit richtig.